Ortsteil der Bergstadt Scheibenberg / Erz
Oberscheibe
© 1998-2014 - Jens Ingo Kreißig

De Dorfschul in dr Scheib

Ah de “Post” genannt

Als        Scheibenberg        einen        neuen        Schuldirektor        bekam,        der        den Nachmittagsunterricht   einführte,   beschloss   die   Gemeinde,   eine   eigene   Schule zu   bauen,   weil   sie   ihre   Kinder   nachmittags   zur   Feldarbeit   in   der   Landwirtschaft benötigten.    Noch    im    Herbst    1876    begann    man    mit    dem    Kellerbau.    Das Grundstück    stellte    der    Erbrichter    Fiedler,    seinerzeit    Gemeindevorsteher,    zur Verfügung.       Außerdem       gewährte       er       aus       seiner       im       Straßengraben vorbeiführenden   privaten   Wasserleitung   einen   Zulauf   in   Strohhalmstärke.   Am 29.05.1877    erfolgte    das    Bauheben    und    die    Einweihung    des    Schulgebäudes (Ortsl.-Nr27c) fand am 1.10.1877 statt.
An der Schuleinweihungsfeier haben unter anderem teilgenommen: Herr Amtshauptmann Dr.v. Bernewitz Annaberg Herr Schulrat Dr. Spieß Annaberg Herr Superintendent Dr. Schmidt Annaberg Herr Bezirksarzt Dr. Stiehler Annaberg Herr BrandversInsp. Steitmann Annaberg Herr Schuldirektor Schlegel Scheibenberg Herr Kantor Schiefer Scheibenberg Herr Lehrer Heyn und Oberscheibe Gemahlin
Dorfschule in den 60iger Jahren
Das   Musikchor   aus   Scheibenberg   spielte   für   35,25M   von   vormittags   10   Uhr   bis nachts   2   Uhr.   Der   Schulbau   wurde   vom   Bauunternehmer   Christian   Altmann aus   Crottendorf   ausgeführt.   Dabei   leisteten   die   Einwohner   durch   Spenden (Holz,      Steine,      Transporte)      und      Mitarbeit      entsprechende      Hilfe.      Die Gesamtkosten    betrugen    8.318,48M    und    wurden    durch    ein    Darlehn    des landwirtschaftlichen   Kreditverein   Sachsen   zu   Dresden   in   Höhe   von   7.000,-M und   einer   Beihilfe   des   Königlichen   Staats   Ministeriums   zu   Dresden   in   Höhe von     2.000,-M     finanziell     gedeckt.Für     die     Schulturmuhr     wurden     an     den Uhrmacher   G.   Braun,   Buchholz,   520,-M   bezahlt.   Die   kleine   Glocke   wurde   für 200,-M von der Firma Jul. Schneider & Co., Buchholz, käuflich erworben.
Uhrwerk zum Aufziehen
Die wöchentlich aufzuziehende Uhr trägt die Firmenaufschrift: Max Hahn Thurmuhrenfabrik Zwickau / Sachsen Inh. Patent N° 93531
Das    Uhrwerk    läuft    heute    noch    einwandfrei,    lediglich    das    Schlagwerk    (alle    ¼    und    alle    volle    Stunde)    wurde    infolge    der Witterungseinflüsse   (Wasserschäden)   außer   Betrieb   genommen.   Bei   der   Sanierung   der   Dorfschule   in   den   Jahren   2005/06 wurden   die   Turmuhr   und   das   Schlagwerk   überholt.   So   konnte   man   am   05.05.   2006   um   15:00   Uhr   die   Turmuhr   wieder   schlagen hören.   1879   gingen   9   Knaben   und   11   Mädchen   in   die   I.   Klasse   (1.-4.   Schuljahr)   und   13   Knaben   und   8   Mädchen   in   die   II.   Klasse (5.-8.   Schuljahr).   Erster   Lehrer   war   Emil   Heyen,   später   Walter   Richter,   gebürtiger   Zschopauer.   Die   Lehrerwohnung   befand   sich im   ersten   Stock   des   Schulgebäudes.   Der   Wäscheplatz   wurde   zugleich   als   Turngarten   genutzt.   Bei   schlechtem   Wetter   diente der   Hausflur   als   Turnraum.   1937   wurde   vom   Volksbildungsministerium   angeordnet,   dass die   Kinder   der   5   oberen   Klassen   nach   Scheibenberg   in   die   Schule   zu   gehen   haben.   Ein Streik     der     Eltern,     ihre     Kinder     nicht     nach     Scheibenberg     zu     schicken,     wurde     mit polizeilicher    Strafandrohung    beantwortet.    Lediglich    die    3    unteren    Klassen    wurden vorerst     noch     in     Oberscheibe     beschult,     bis     Herr     Lehrer     Richter     zum     Kriegsdienst einberufen    wurde.    In    den    freigewordenen    Schulzimmern    wurde    1944    eine    Wohnung eingebaut   und   gleichzeitig   die   Haustür   von   der   Hof-   zur   Straßenseite   versetzt.   Ferner verlegte    man    die    Wasserleitung    vom    Wassertrog    (im    Hof)    bis    ins    Waschhaus.    Bei Trockenperioden   fiel   oft   der   Zulauf   aus,   so   dass   die   Mieter   ab   1957   (Herbst)   glücklich waren, als der Anschluss an das öffentliche Trinkwasserversorgungsnetz erfolgte.
Glocke im Turm
Während    des    2.Weltkrieges    wurde    die    Glocke    befehlsgemäß    abgeliefert    und    einge- schmolzen.    Nach    Kriegsende    erhielt    Oberscheibe    über    das    Landeskirchenamt    eine andere   Glocke,   die   in   Grumbach   nicht   mehr   benötigt   wurde,   zum   günstigen   Preis   von   60,- M   angeboten.   Diese   Gelegenheit   wurde   genutzt,   so   dass   das   Läuten   werktags   (6°°,   12°° und   18°°   Uhr)   wieder   eingeführt   werden   konnte.   Leider   musste   das   regelmäßige   läuten nach   ein   paar   Jahren   eingestellt   werden,   weil   der   Dachstuhl   sehr   darunter   litt   (morsches Balkenwerk).      Nur      bei      Todesfällen      und      am      Silvester      (24:00      Uhr)      wurde      der Glockenschlägel   von   Hand   noch   bedient   (d.h.   man   musste   in   den   Turm,   ins   Freie   steigen und   den   Glockenschlegel   von   Hand   hin   und   her   schlagen).Nach   der   Instandsetzung   und Stabilisierung   des   Dachstuhls   2006   kann   man   nun   wieder   die   Glocke   mittels   Seil   vom Dachboden aus läuten. (weitere Infos zum läuten unter "Kurt Endt" siehe unten)
Die übernommene Glocke trägt die Jahreszahl „1564“ sowie die folgende Inschrift: - VERBUM DOMNI MANET IN ETERNUM - GOTTES WORT PLEIWET EBIGLICHG (erst lateinisch, dann deutsch „….PLEIWET EBIGLICHG“ = bleibt ewiglich)
Seit 1956 musste der Schulkeller verankert und ein zweiter Stützpfeiler am Gebäude Nr.27c angebracht werden, da sich die Grundmauer gesenkt hatte und die südliche Hausfront abzurutschen drohte. Am   08.04.   1967   wurde   der   Turm   von   den   Bürgern   Frieder   Loos,   Werner   Feustel   und   Dietmar   Hofmann   eingerüstet,   vom Klempnermeister    Kurt    Köthe    aus    Scheibenberg    mit    Aluminiumblech    eingefasst,    Blitzschutzanlage    durch    Firma    Ernst Schubert,   Scheibenberg,   erneuert   (alte   Wetterfahne   war   verwittert   und   musste   abmontiert   werden)   und   Schieferdach   durch Dachdeckermeister   Martius,   Scheibenberg,   umgedeckt.   Nach   dem   Anstrich   der   Holzverkleidung   durch   Malermeister   Fritz Wagner,    Scheibenberg,    wurde    am    10.07.    1967    wieder    abgerüstet.    Die    Schornsteinköpfe    wurden    drei    Jahre    später    neu aufgemauert.   Die   Dorfschule   ist   seit   01.02.1985   als   denkmalgeschütztes   Gebäude   vom   Landkreis   eingestuft   und   registriert worden. Es ist übrigens das einzige anerkannte Kulturdenkmal des Ortes.
1986   wurden   die   abgelaufenen   schiefen   Treppenstufen   mit Terrazzoplatten   versehen.   Der   Einbau   wurde   von   Kurt   Endt und    Sohn    Rüdiger    ausgeführt.Nach    der    Wende    1992/93 wurde   für   100.000,-   DM   die   alte   Dorfschule   saniert,   90%   der Kosten       wurden       vom       Freistaat       Sachsen       getragen. Angeschafft   wurden   unter   anderem,   2   neue   Zifferblätter   mit dem    nun    unverwechselbaren    roten    Zentrum.    Die    Zeiger, welche     völlig     verwittert     waren,     wurden     nach     einigen Versuchen   durch   die   Oberscheiber   Bürger   Rüdiger   Endt   und Bürgermeister      Wolfgang      Kreißig      neu      hergestellt      und anschließend    vergoldet.    Außerdem    bekam    die    Dorfschule ein      komplett      neues      Schieferdach      und      einen      neuen Außenanstrich   auch   wurden   die   Blitzschutzanlage   erneuert und   verschieden   Bleche   wurden   durch   Kupferblech   ersetzt. Nachdem      die      Baumaßnahmen      abgeschlossen      waren, thronte   auch   wieder   eine   Wetterfahne   auf   dem   Turm   der alten                                                                                            Dorfschule. Am   01.01.   1950   übernahm   Frau   Waltraude   Endt   geb.   Hofmann   in   Ortslage   Nr.6   (heute   Fam.   Kreißig)   die   Poststelle,   die   mit   in der   Wohnung   untergebracht   war.   Seit   1954   befand   sich   die   Poststelle   einschließlich   Lottoannahmestelle   in   der   ehemaligen Dorfschule.        Ab        1963        wurde        ein        neuzeitlich        eingerichtetes        Postdienstzimmer        (mit        Schalter)        eröffnet. Als     beste     Poststelle     im     Wettbewerb     des     Kreises     wurde     Oberscheibe     1958/1959     mit     einer     Urkunde     geehrt.     Die Poststellenverwalterin     war     gleichzeitig     Rentenzahlerin.     1954     waren     mtl.     Rund     2.200,-M     an     30     Rentenempfänger (durchschnittlich    73,-M)    auszuzahlen.    1955    konnten    in    8    Monaten    8.500    Stück    Losscheine    in    der    Lottoannahmestelle (Poststelle)      umgesetzt      werden,      das      ist      wöchentlich      rund      1      Tippschein      pro      Einwohner      von      Oberscheibe. Ab   dem   27.04.   1987   befand   sich   die   Volksbibliothek   im   ehemaligen   Schulgebäude   1.   Stock,   Ortsl.Nr.27c.   Das   Mobiliar   fertigte der     Tischlermeister     Loos     an.     Die     gemeinde     stellte     rd.     2.000,-M     aus     eigenen     Mitteln     (für     Regale,     Tisch,     Gardinen, Fußbodenbelag)      zur      Verfügung.      Anlässlich      der      Inbetriebnahme      des      neuen      Büchereiraumes      überbrachte      die Kreisbibliothekarin die besten Wünsche und eine Einpflanzung. 1987 wurden 67 Leser verzeichnet bei 695 Entleihungen.

Modernisierung der alten Dorfschule 2005/2006

Die   Meinungen   der   Bürger   von   Oberscheibe   waren   sehr   unterschiedlich,   so   gingen   die   Meinungen   vom   Abriss,   nur   die   Fassade erhalten   bis   hin   zur   aufwendigen   Erhaltung   der   Dorfschule.   Da   das   Dorfprogramm   mit   Fördergeldern   unterstützt   wurde,   ist diese        Sanierung        so        möglich        gewesen,        wenn        auch        der        Eigenanteil        aufgebracht        werden        musste. Im    Januar    2005    begann    der    Bauhof    Scheibenberg    Zwischenwände,    Türen,    Toiletten    und    das    Bad    im    Erdgeschoss    zu demontieren   um   Baufreiheit   zuschaffen.   Seit   Mai   2005   gingen   die   Handwerker   in   der   alten   Dorfschule   ein   und   aus.   Die komplette   Innensanierung   und   die   Sicherungsmaßnahmen   des   Gebäudes   hatten   begonnen.   Es   zeichnete   sich   aber   ab,   das sich   die   Dorfschule   in   einem   sehr   schlechten   Zustand   befand.   Die   Feuchtigkeit   im   Mauerwerk   und   dem   Balkenwerk   im   Dach hat     der     Dorfschule     extrem     zugesetzt.     Durch     genauere     Untersuchungen     wurden     erhebliche     Mängel     am     Mauerwerk (Rissbildung)    und    Balkenwerk    festgestellt    (Pilz    und    Insektenbefall).    Im    Juni    2005    lagen    dem    Stadtrat    entsprechende Gutachten    der    erdbaustatischen    Berechnungen    einschließlich    Sicherungsvorschlag    vom    Planungsbüro    Graupner    GmbH Chemnitz und vom Sachverständigenbüro Holz- und Bautenschutz Andreas Grundler und Sohn aus Langenweißbach vor.
Folgende Arbeiten wurden bei der Sanierung durchgeführt: - Abwasseranbindung - Trockenlegung des Gebäudes - Sanierung des Kellers - Sanierung des Treppenhauses - erneuern der Fassade - Naturstein - Fassade - Dämmung des Spitzbodens - Holzschutz-Sanierung von Holzbauteilen - Erneuerung der Fenster und Außentüren - verschiedene Estricharbeiten - herrichten der Außenanlagen - Ausbau der kommunalen Räume - Ausbau der Wohnung
Die   Wohnung   im   ersten   Stock   wurde   den   heutigen   Standards   angepasst,   denn   in   der   Wohnung   war   noch   kein   Bad   und   keine Zentralheizung   vorhanden.   Im   Juli   wird   auf   Wunsch   der   Bürgerschaft   von   Oberscheibe   ein   Spendenkonto   eingerichtet   -   nach dem     Motto     "Für     unsere     alte     Dorfschule     im     Ortsteil     Oberscheibe"     Den     schönen     Herbst     2005     konnten     man     beim Sanierungsprogramm    der    alten    Dorfschule    gut    nutzen    und    gebrauchen.    Die    Risse,    die    sich    quer    durch    das    gesamte Mauerwerk    befanden,    wurden    sehr    aufwendig    beseitigt.    Der    Erker    wurde    abgerissen    und    ein    neuer    wurde    wieder    neu angebaut.   Nach   einigen   Schwierigkeiten   geht   der   Innenausbau   zügig   voran.   Die   Wohnung   im   1.   Stock   ist   im   September   2005 rohbaufertig.   Diese   abgeschlossene   Wohnung   besteht   aus   Wohnzimmer,   Küche,   Bad,   Toilette,   Schlafzimmer,   Kinder-   oder Arbeitszimmer   und   Flur.   Aber   immer   wieder   treten   neue   Überraschungen   ans   Tageslicht.   Die   Balken   des   alten   Turmes   der Dorfschule, wo die Glocke befestigt ist, waren zu erneuern. Die Gestänge für die Turmuhr laufen auch auf diesem Balkenwerk.
Es ist ein zusätzlicher Kostenaufwand, der in der Planung so nicht vorgesehen war. Zur Weihnachtszeit 2005/06 hat die Turmbeleuchtung den Dienst bereits wieder aufgenommen. Anfang 2006 kann sich jeder Oberscheibener, Scheibenberger und Gast vom Umbau der alten Dorfschule von innen und außen über das Geschaffene überzeugen und erfreuen. Im März steht die Übergabe der „Alten Dorfschule“ kurz bevor. Die Heizung läuft und aufgestellte Luftentfeuchter sollen noch die letzte Feuchtigkeit aus den Außenwänden ziehen. Beim Innenausbau wurde fast alles verändert, ob in der Wohnung, die sich im 1. Stock befindet als auch im Erdgeschoss mit einem großen Versammlungsraum, der für viele Zwecke in Zukunft genutzt werden kann. Bei der Übergabe kann sich ja jeder selbst überzeugen. Ende März wurde ein Mieter für die Wohnung gefunden und so wurde ab 1. Mai 2006 die alte Dorfschule wieder bewohnt.
Hier die Positionen von Fördergeldern, Ausgaben, geplante Eigenanteile und voraussichtlich benötigte Eigenanteile. Fördermittel 162.390,00€ darunter: für Beratungsleistung 2004 370,00€ Bauleistung 2005 115.252,00€ Bauleistung 2006 46.768,00€ Ausgaben bis 09.08.2005 33.571,62€ darunter: für Beratungsleistung 2004 2.523,70€ Planung, Bauleistung 2005 31.047,92€ Geplante Eigenanteile 50.000,00€ darunter für: 2004 10.000,00€ 2005 10.000,00€ 2006 20.000,00€ 2007 10.000,00€ Vorraussichtliche benötigte Eigenanteile 87.883,70€ darunter für : 2004 2.153,70€ 2005 40.448,00€ 2006 32.082,00€ 2007 13.000,00€ Das sind aus damaliger Sicht die Kosten für die Sanierung der Dorfschule bis zum Jahr 2006. Natürlich konnte keiner voraussagen, ob nicht weitere Kosten entstehen, schließlich ist dieses Gebäude 129 Jahre alt.

Übergabe der "Alten Dorfschule" 6. & 7. Mai 2006

Am 6. Mai 2006 konnte das neue Dorfgemeinschaftshaus seiner Bestimmung übergeben werden. Die Wiedereröffnung wurde im Rahmen einer kleinen Festlichkeit würdig gefeiert. Um 13.30 Uhr läutete Bürgermeister Wolfgang Andersky und Ortsvorsteher Werner Gruss sowie Zimmermann Ralf Kretzschmar unsere Dorfschulglocke. Für diese Glocke wurde die Aufhängung komplett erneuert. Jeder konnte sich vom morschen Balkenwerk an einem Muster selbst überzeugen. Schlug die Glocke in den letzten Jahren nur, wenn ein Bürger verstarb, war es dieses Mal ein freudiges Ereignis. So konnte seit über 40 Jahren am 05.05.2006 um 15.00 Uhr zum ersten Mal das Schlagwerk wieder in Betrieb genommen werden. Es schlägt alle Viertelstunde und zu jeder vollen Stunde. Für viele Oberscheiber war dies eine große Überraschung und Freude zugleich. Es war kein übliches Bauvorhaben, denn jeder weiß, wie viel Unvorhergesehenes bei der Sanierung eines alten Gebäudes auftreten kann. Und dies gab es zur Genüge. Herr Loos vom Amt ländlicher Neuordnung Oberlungwitz gab uns auch die Ehre und kam der Einladung gerne nach und überzeugte sich von dem Geschaffenen in Oberscheibe. Zum Gelingen dieser Festtage trugen viele bei. Die musikalische Unterhaltung übernahmen die Posaunenbläser der St. Johannes Kirche Scheibenberg, die Jagdhornbläser unter der Leitung von Siegfried Illing, der auch mit so mancher Episode die Gäste zum Lachen brachte. Fürs Tanzbein spielte am Sonnabend abends Jochen Geißler auf. Florian Josiger zeigte den Besuchern geschichtliches aus Oberscheibe und Scheibenberg. Der Stadt und Landfotograf Fromut Naumann unterhielt die Besucher in seiner gewohnten Art und Weise mit einem Lichtbildervortrag. Natürlich durften auch die Kleinsten nicht fehlen, der Kindergarten unterhielten die Gäste mit einem kleinen Programm. Eine kleine Andacht von Pfarrer Schmidt Brücken, welche wieder mit der Glocke eingeläutet wurde und die Lesung von Altbürgermeister Kurt Endt waren weitere zwei Höhepunkte. Schließlich bewohnte er knapp 50 Jahre die Wohnung im ersten Stock. Erfreulich für die Ortschaftsräte war, dass an allen Tagen der Gemeinschaftsraum brechend voll war und zusätzlich Sitzgelegenheiten benötigt wurden. Für das leibliche Wohl war wieder einmal die Feuerwehr Oberscheibe verantwortlich und sorgte dafür, dass keiner hungrig nach Hause gehen musste. Natürlich stillte auch ein einheimisches, gutes Fiedler-Bier den Durst. Viele Einwohner von Oberscheibe, die noch in diesen Räumen unterrichtet wurden, nahmen an den Feierlichkeiten teil und besichtigten alles genau, wurden doch alte Erinnerungen wieder wach. Bis auf wenige wollte keiner dieses Ereignis verpassen. Jetzt kann man sagen, unsere „Alte Dorfschule“ präsentiert sich in neuem Glanz und bleibt unseren Nachkommen erhalten. Von Jens Ingo Kreißig wurde seine neu bezogene Wohnung an beiden Tagen zur Besichtigung zur Verfügung gestellt. Viele Oberscheiber und Besucher nahmen diese Angebot wahr und besichtigten die neue Wohnung im ersten Stock der alten Dorfschule.  

Kurt Endt - wohnte 50 Jahre in der Dorfschule (1954-2004)

Am 31. Dezember 2004, kurz vor 24.00 Uhr stieg unser Altbürgermeister Kurt Endt das letzte Mal zur „Dorfschulglocke“, um das neue Jahr mit dem Glockenklang zu begrüßen. Beim Silvesterläuten sind es 1.000 Handbewegungen zum Anschlagen des Glockenschlegels. Auch als letzte Ehre eines verstorbenen Bürgers von Oberscheibe läutete er immer 18.00 Uhr die Glocke. Gleichzeitig betreute Kurt Endt ca. 40 Jahre lang unsere Turmuhr. Sie musste wöchentlich einmal aufgezogen werden. 42 Umdrehungen sind dabei immer nötig gewesen, um das Gewicht hochzuziehen. Herr Kurt Endt rechnete es sich aus, dass er dies 87.360 Mal in den Jahren tat. Zur November-Ortschaftsratssitzung 2004 gab er den Ortschaftsräten bekannt, dass er aus gesundheitlichen Gründen und seines fortgeschrittenen Alters (81 Jahre), dieses aus Sicherheitsgründen nicht mehr durchführen kann. Mit Verständnis nahm der Ortschaftsrat dies zur Kenntnis, verbunden mit großer Dankbarkeit für die getane Arbeit in den letzten Jahrzehnten. Sollte es dies in Zukunft alles nicht mehr geben? Es wäre ein Stück Dorfgeschichte, was sterben würde. Für das Aufziehen der Turmuhr wurde Bauhofleiter Peter Weißflog eingewiesen. Die Ortschaftsräte waren nun gezwungen eine Lösung zu beraten, wie es mit dem Läuten weitergehen soll. In der heutigen Zeit wird es aber sehr schwierig sein, diese Tradition fortzusetzen, da alle Ortschaftsräte im Berufsleben stehen und teilweise im 3-Schicht-System arbeiten. Natürlich wurde diese alte Tradition nicht eingestellt. 2 Einwohner von Oberscheibe erklärten sich damals bereit, die Glocke bei den oben erwähnten Anlässen zu läuten. Mit der Modernisierung der Dorfschule, wurde die Glocke wieder mit einem Zugseil versehen. Dadurch ist das mühsame Einsteigen in den Turm nicht mehr nötig. Jetzt kann vom Dachboden aus, die Glocke geläutet werden.  Kurt Endt zählte beim Silvesterläuten 1.000 Glockenschläge, welche er von Hand mittels Anschlagen des Glockenschlegels verrichtete. Mit dem Anbringen des Zugseiles an die Glocke, wurde das Läuten auf eine Zeitangabe umgestellt. So wird zu Silvester um 24:00 Uhr, 15min geläutet und so das neue Jahr begrüßt. Das entspricht ca. 1080 Glockenschlägen. Bei der letzten Ehre für die verstorbenen Bürger von Oberscheibe, wird 10min die Dorfschulglocke geläutet. Neu hinzugekommen ist das Läuten, wenn im Dorfgemeinschaftshaus ein Gottesdienst stattfindet. Die Ev.-Luth. St. - Johannis Kirchgemeinde Scheibenberg führt seit 2011, 2-mal im Jahr, Gottesdienste hier durch. Im November 2006 übernahm der damalige Bewohner der Dorfschule Jens Ingo Kreißig die ehrenvolle Aufgabe des Läutens.   Doch drehen wir die Zeit einmal viel weiter zurück, da steht in einem Zeitungsartikel vom Freitag, dem 29. Mai 1931: „Oberscheibe. Hohes Alter. Frau Selma verw. Stoll, geb. Pöschel, die 20 Jahre lang die Schulreinigungsarbeiten ausführte und auch längere Zeit treu und gewissenhaft das Läuten der Schulglocke in der Dorfschule besorgt hat, feiert heute ihren 70. Geburtstag. Sie erfreut sich ob ihres biederen Wesens und ihrer Gewissenhaftigkeit der Achtung und Wertschätzung der Ortseinwohner.“ Wie Sie sehen, hat sich auch vor Jahrzehnten immer jemand bereit erklärt, Gewohntes weiter zu erhalten, und so sollte es auch in unserem Oberscheibe beibehalten werden.
Auszug aus dem Amtsbaltt
Anlehnung an den Artikel aus dem Amtsbaltt
Dorfschule in den 90iger Jahren